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Beim zweiten Standort reicht Anwesenheit nicht mehr

Wer von einem auf mehrere Standorte wächst, kann nicht mehr überall sein. Was dann trägt, und welche Frage du vor dem nächsten Standort beantworten solltest.

Thomas PetersThomas Peters · Oktober 2026 · 3 Min Lesezeit

Von einem Standort auf zwei. Dann auf drei. Und auf einmal stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich da, wenn du es nicht bist?

Beim ersten Standort war die Antwort einfach. Du warst da. Du hast gesehen, was läuft, hast entschieden, hast korrigiert. Präsenz entstand von selbst, weil du anwesend warst. Beim zweiten Standort merkst du, dass Anwesenheit nicht mehr reicht.

Was passiert, wenn niemand vor Ort entscheidet

Die Fragen am neuen Standort verschwinden nicht, nur weil du nicht da bist. Sie warten. Oder sie wandern. Jedes Problem wandert zu der Person, die gerade nicht da ist. Und du fährst hinterher, von Standort zu Standort, und löst vor Ort, was dort längst hätte gelöst sein können.

Ein Fall aus einer Praxis

So ging es bei einer therapeutischen Praxis, die ich begleitet habe. Sie ist von einem auf zwei und dann auf drei Standorte gegangen. Durch die Struktur, die sie gebaut hatten, konnten die Eigentümer nicht mehr die ganze Zeit vor Ort sein. Präsenz war damit ein ganz anderes Thema.

Gearbeitet haben wir an drei Dingen. Wen holen sie aus der Behandlung in eine Führungsrolle? Wie kommen die Aufgaben, die nichts mit dem Patienten zu tun haben, auf mehrere Schultern? Und wie werden die Leute dafür fit, damit nicht für jedes Problem der gefragt wird, der dann eh nicht da ist?

Die Frage davor

Und dann gab es noch eine Frage, und die ging an die Eigentümer selbst. Wollt ihr einfach mehr Geld verdienen? Oder wollt ihr eure eigene Arbeit verlagern, weg vom Patienten, hin zu: Ich führe ein Unternehmen, ich führe Mitarbeiter?

Solange diese Frage offen ist, hilft keine neue Führungsebene. Dann bleibt jeder neue Standort ein Ort, an dem man fehlt.

Ich glaube, sie wird so oft übersprungen, weil sie unbequem ist. Für viele, die aus dem Fach kommen, ist die fachliche Arbeit der Grund, warum sie sich selbstständig gemacht haben. Sie zu verlagern fühlt sich an, als würde man das aufgeben, was einen ausmacht. Nur kommt die Frage spätestens beim nächsten Standort zurück.

Wie ich es über viele Standorte geführt habe

Bei ALDI SÜD hatte ich als Director einundfünfzig Standorte, siebzig Filialleiter und fünfzehn Regionalverkaufsleiter. Niemand steht überall gleichzeitig. Zwei Dinge haben mir dabei geholfen, die auch im Kleinen funktionieren.

Erstens eine klare Regel, was mich überhaupt erreichen muss. Nach oben kam nur, was außerhalb des vereinbarten Rahmens lag. Alles innerhalb wurde vor Ort entschieden. Für einen Eigentümer mit drei Standorten und einer ersten Führungsebene ist diese Regel oft die einfachste Entlastung.

Zweitens wenige Zahlen, die mir gesagt haben, ob ein Standort läuft, ohne dass ich hinfahren musste. Eine Zahl oder drei, mit festem Rhythmus. Welche das sind, ist in jedem Betrieb anders. Entscheidend ist, dass du sie selbst festlegst, statt dein Gefühl für „läuft“ an deine Anwesenheit zu knüpfen.

Was der Betrieb davon hat

Wenn jeder Standort jemanden vor Ort hat, der im Zweifel entscheidet, werden Probleme dort gelöst, wo sie entstehen. Die Leute am neuen Standort arbeiten nicht wie in einer Außenstelle, die auf Anweisungen wartet. Und du kannst dein Unternehmen führen, statt von Standort zu Standort hinterherzufahren.

Thomas Peters

Thomas Peters

Sparringspartner für Unternehmer, an denen noch alles hängt. 15 Jahre Führung bei ALDI SÜD, 51 Standorte, rund 1.000 Menschen. Gründer 8mastery.

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