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Da, aber nicht präsent. Was Präsenz als Unternehmer wirklich heißt

Viele Eigentümer sind jeden Tag im Betrieb und für ihr Team trotzdem nicht erreichbar. Was Präsenz konkret heißt, woran deine Leute sie erkennen und was der Betrieb davon hat.

Thomas PetersThomas Peters · Oktober 2026 · 3 Min Lesezeit

„Am Ende willst du deine Ruhe haben, richtig?“

„Ja, richtig.“

„Und was willst du dafür tun?“

Dann kam erst mal nichts.

Diese Frage habe ich Eigentümern in mehreren Fällen gestellt. Die Stille danach sagt viel. Die meisten haben eine sehr genaue Vorstellung davon, was ihre Leute anders machen sollten. Was sie selbst dafür tun würden, ist eine Frage, die sie sich selten gestellt haben.

Da sein ist nicht dasselbe wie präsent sein

Ich habe das oft erlebt. Die sind zwar da, aber nicht präsent. Präsent als die, die Aufgaben verteilen, oder als Kontrolleure. Nicht als Anlaufstelle.

Im Alltag sieht das ganz unspektakulär aus. Da gibt es das wöchentliche Meeting, das eigentlich nur angesetzt wird, damit schnell alles verteilt ist und der Chef wieder seine Ruhe hat. Überspitzt, klar. Oder den Jour fixe mit einem Mitarbeiter, 30 Minuten, und du bist gedanklich schon beim Handy. Wenn da nur To-dos abgearbeitet werden, ist es kein Meeting mehr, dann ist es zusammen Kartoffeln schälen.

Viele wollen Ruhe erhalten durch ihre Mitarbeiter, statt selbst Ruhe auszustrahlen.

Der Satz klingt hart. Gemeint ist er nicht als Vorwurf. Wer jahrelang alles selbst getragen hat, hat gelernt, dass Ruhe erst kommt, wenn alles verteilt und kontrolliert ist. Nur funktioniert das in die andere Richtung nicht. Ein Team, das vor allem verteilt und kontrolliert wird, bringt dir keine Ruhe. Es bringt dir Fragen, die am Ende wieder du beantwortest.

Was Präsenz konkret heißt

Präsenz heißt für mich etwas sehr Konkretes.

Da ist einer, der im Zweifel entscheidet.
Da ist einer, der im Zweifel weiß.
Da ist einer, der mit mir die Kohlen aus dem Feuer holt.

Und sichtbar heißt auch: Der duckt sich nicht weg, wenn es eng wird. Der sagt auch mal, dass es ihm selbst Angst macht, und dass sie trotzdem gemeinsam da durchgehen.

„Macht mir auch Angst. Aber wir gehen da durch.“

Viele Eigentümer machen in schwierigen Wochen das Gegenteil. Sie ziehen sich zurück, rechnen allein, und nach außen kommen Floskeln. Das Team merkt das sofort. Und zur eigentlichen Lage kommt eine zweite dazu: Keiner weiß mehr, woran er ist.

Was der Betrieb davon hat

Wer als Anlaufstelle da ist, bekommt etwas zurück. Die Leute stellen wieder die Fragen, die sie sonst für sich behalten, und sagen dir auch, was unangenehm ist. Du erfährst früher, was im Betrieb wirklich los ist, und musst weniger kontrollieren. Probleme kommen auf den Tisch, solange sie noch klein sind. Und wenn es eng wird, packen die Leute mit an, statt abzuwarten.

Das ist die Ruhe, die du eigentlich willst. Nicht die Ruhe, weil alle beschäftigt sind. Sondern die Ruhe, weil du weißt, dass dir niemand etwas Wichtiges verschweigt.

Präsenz ist keine Frage der Stunden

Ein Missverständnis begegnet mir oft: Präsenz heiße, mehr da zu sein. Mehr Stunden im Betrieb, mehr Runden durch die Werkstatt, mehr Termine. Meistens ist das Gegenteil richtig. Wer jeden Tag zwölf Stunden da ist und dabei nur verteilt und kontrolliert, ist sehr anwesend und kaum präsent.

Präsenz entsteht in den Momenten, in denen dich jemand braucht und du wirklich da bist. In einer Runde, in der das Handy nicht auf dem Tisch liegt. In einem Gespräch, in dem du zuhörst, bevor du die Lösung sagst. In einer schwierigen Woche, in der du sichtbar bleibst.

Fünfzehn Jahre lang habe ich bei ALDI SÜD Führung gehalten, neun davon als Director, mit Verantwortung für einundfünfzig Standorte und rund tausend Menschen. Niemand steht überall gleichzeitig. Die Frage, die mich dabei jeden Tag begleitet hat, war: Woran erkennt ein Team, dass ich verfügbar bin, obwohl ich nicht da bin? Die Antwort lag nie im Kalender. Sie lag darin, wie ich da war, wenn ich da war.

Thomas Peters

Thomas Peters

Sparringspartner für Unternehmer, an denen noch alles hängt. 15 Jahre Führung bei ALDI SÜD, 51 Standorte, rund 1.000 Menschen. Gründer 8mastery.

Wenn du beim Lesen an einer Stelle hängen geblieben bist, erzähl mir in dreißig Minuten, was gerade auf deinem Tisch liegt.

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