Mittendrin
Vom Tanker ins Ruderboot. Was sich ändert, wenn du ein eigenes Unternehmen übernimmst
Wer aus einer Führungsrolle kommt und ein Unternehmen kauft oder übernimmt, bringt das Wissen mit. Was neu ist, ist das Boot. Und die Reihenfolge, in der du entscheidest.
Thomas Peters · Oktober 2026 · 4 Min LesezeitWer lange in hoher Position im Konzern war, glaubt, er kann noch alles. Und läuft Gefahr, den Bezug zu dem zu verlieren, was die Ebenen darunter und vor allem die Operativen jeden Tag leisten. Oder nicht mehr mitzubekommen, dass es für manche Ebenen schwieriger geworden ist.
Wie viel die anderen tragen, merkst du spätestens, wenn du auf einmal alles selbst machen musst.
Ich sehe das bei Menschen, die aus dem Konzern in etwas Eigenes wechseln. Und ich kenne es von mir.
Das Wissen hast du. Neu ist das Boot.
Das Know-how haben sie. Was neu ist, ist das Vehikel. Es ist nicht mehr der große Tanker, den man steuert. Es ist ein Speedboot. Oder sogar ein Ruderboot. Das reagiert anders auf Wellen.
Und das dürfen sie erst mal lernen.
Ich glaube, bei einer Übernahme ist es nicht anders. Da sind zwar Leute an Bord, aber kein Apparat dazwischen. Und man führt erst mal so, wie man vorher geführt hat.
Erst das Kriterium, dann die Richtung, dann die Rolle
Viele, die den Konzern verlassen, fahren danach wieder zu genau dieser Art Konzern. Nur dass sie nicht mehr auf dem Mitarbeiterparkplatz parken, sondern auf dem Besucherparkplatz.
Sie fragen sich, welche Kunden zu ihrer Erfahrung passen und zu der Branche, in der sie lange drin waren. Und legen sich damit auf etwas fest, das sie eigentlich hinter sich lassen wollten. Weil sie es kennen.
Die Frage, die dabei fehlt: Mit wem will ich denn jetzt arbeiten? Und willst du die Vergangenheit reproduzieren, oder willst du sie nutzen?
Das gilt genauso, wenn du überlegst, ein Unternehmen zu übernehmen. Erst das Kriterium, dann die Richtung, dann die Rolle. Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst die Rolle einnimmt, verliert im ersten Jahr an dem, was ihn auf dem Weg dorthin stark gemacht hat.
„Klingt logisch“ ist nicht „fühlt sich richtig an“
„Klingt logisch“ und „fühlt sich richtig an“ sind nicht dasselbe.
Viele verwechseln die beiden. Dann folgen sie etwas, das einer Logik folgt, und wissen selbst nicht, welche Annahme dahintersteckt. Das Gehirn signalisiert Entspannung, weil es logisch klingt. Und später stellen sie fest: War es doch nicht.
Dazu kommt, dass die meisten sich zu viele Fragen gleichzeitig stellen. Dann entsteht eine Gleichung mit so vielen Variablen, dass sie unlösbar wirkt. Und viele springen sofort ins Wie, statt sich zu fragen, was eigentlich das Ziel ist.
Bei großen Entscheidungen fange ich deshalb mit dem Ziel an und nicht mit den Optionen. Warum will ich das? Ist es wirklich das Neue? Oder bin ich einfach nur satt, so einen Chef oder so ein Umfeld zu haben?
Leute an Bord holen, bevor die Welle da ist
Du kannst Leute an Bord holen, für die Passagen, die du noch nicht kennst. Nur eben, bevor die Welle da ist. Dann geht dein erstes Jahr nicht im Feuerlöschen drauf, sondern in das, wofür du gewechselt bist.
Und wer ein bestehendes Unternehmen übernimmt, übernimmt auch dessen Regeln. Als ich 2007 bei ALDI SÜD angefangen habe, war es in der Filial-Einarbeitung für angehende Area Manager normal, von Öffnung bis Schluss zu arbeiten. Von 6 bis 20:30 Uhr, auch mal sechs Tage. Die Regel kam aus einer Zeit, in der die Filialen deutlich kürzer geöffnet hatten. Gleiche Regel, andere Umstände. Haben wir immer so gemacht.
Manche Regeln in deinem neuen Unternehmen tragen. Manche stammen aus einer anderen Zeit. Welche welche ist, erfährst du am ehesten von den Leuten, die sie jeden Tag leben.
Was dein neues Unternehmen davon hat
Wenn Kriterium, Richtung und Rolle in dieser Reihenfolge geklärt sind, führst du vom ersten Tag an mit einem Maßstab, den die Leute nachvollziehen können. Du triffst die ersten großen Entscheidungen aus Klarheit statt aus dem Reflex des alten Umfelds. Und das Team erlebt einen neuen Eigentümer, der weiß, wofür er gekommen ist.

Thomas Peters
Sparringspartner für Unternehmer, an denen noch alles hängt. 15 Jahre Führung bei ALDI SÜD, 51 Standorte, rund 1.000 Menschen. Gründer 8mastery.
Wenn du beim Lesen an einer Stelle hängen geblieben bist, erzähl mir in dreißig Minuten, was gerade auf deinem Tisch liegt.
Kennenlernen, 30 Minuten, kostenlos. Am Ende steht ein nächster Schritt mit Datum, oder ich sage dir, dass ich nicht der Richtige dafür bin.
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