Mittendrin
Loslassen ist leicht gesagt. Was der Schritt aus dem Tagesgeschäft wirklich verlangt
Wer seine Firma übergeben oder aus dem Tagesgeschäft raus will, redet meistens übers Loslassen. Worüber kaum jemand redet, ist das, was er dabei verliert, und die Rolle danach.
Thomas Peters · Oktober 2026 · 3 Min LesezeitWer seine Firma übergeben oder aus dem Tagesgeschäft raus will, redet meistens übers Loslassen.
Worüber kaum jemand redet, ist das, was er dabei verliert. Den Status. Die Bedeutung. Und die tägliche Struktur, die einen über Jahre getragen hat.
Wer das nicht beim Namen nennt, scheitert an der Übergabe. Und wer die neue Rolle nicht bewusst entwirft, füllt sie mit der alten operativen Arbeit.
Warum das gerade so viele betrifft
Bis 2030 stehen in Deutschland laut IfM Bonn rund 186.000 Unternehmensübergaben an, immer mehr davon an Menschen außerhalb der Familie.
Übergeben kann aber nur, wer vorher etwas gebaut hat, das ohne ihn trägt. Sonst kommt jede Übergabe zurück auf den eigenen Tisch.
Nicht jeder will ganz gehen
Zurücktreten heißt nicht immer verkaufen. Viele wollen die Firma weiter besitzen. Sie wollen wichtige Kundenbeziehungen weiter selbst halten, in einen Beirat wechseln oder die Nachfolge begleiten. Sie wollen Zeit für andere Dinge, ohne dass die Firma es als Rückzug liest.
Das ist legitim. Es macht die Sache aber nicht einfacher. Wer bleibt, ohne seine neue Rolle zu klären, wird von allen weiter in der alten gesehen. Und er sieht sich selbst darin auch.
Zwei Fragen auf einem Blatt
Ein Werkzeug, mit dem ich dafür arbeite, ist ein einfaches Blatt mit zwei Fragen. Was war die Firma für mich? Was wird sie sein?
Darunter die Rollen, die bleiben sollen: als Eigentümer, im Beirat, als Begleiter für die Nachfolge. Und die, die du abgibst.
Für die Rollen, die bleiben, gilt dasselbe wie für jede andere Rolle im Betrieb. Sie brauchen einen Umfang, einen Rhythmus und eine Zuständigkeit. Wie oft tagt der Beirat, und wer ist dabei? Welche Entscheidungen bleiben bei dir, welche nicht? Wer das offen lässt, ist am Ende wieder überall dabei.
Das, was schwer wird
Ehrlich gesagt ist das Strukturelle oft der leichtere Teil. Schwerer ist die Frage, wer du ohne die tägliche Rolle bist.
Ich kenne sie aus eigener Erfahrung. Als ich nach fünfzehn Jahren meine Führungsrolle im Konzern verlassen habe, war es nicht der Abschied, der mich erwischt hat. Es war ein Satz, Wochen später: Jetzt habe ich keine Mitarbeiter mehr. Kein Team, niemand, der etwas von mir wollte. Und die Verantwortung, die jahrelang das Wichtigste an meiner Arbeit war, war einfach nicht mehr da.
Mir wurde klar, wie viel davon ich für mich gehalten hatte. Das zu sehen, war fürs Ego unangenehm. Es hat mich aber von der Vorstellung gelöst, dass ich von dieser Rolle abhängig bin.
Bei Eigentümern ist diese Verbindung meistens noch enger, weil sie die Firma nicht nur geführt, sondern gebaut haben. Am Ende steht im besten Fall ein Satz, der vorher nicht stimmte: Ich habe ein Unternehmen. Ich bin nicht das Unternehmen.
Was der Betrieb davon hat
Wenn die neue Rolle entworfen ist, wissen alle, was ab wann bei wem liegt. Wer übernimmt, bekommt den Raum, den er braucht, und wird nicht ständig überholt. Die Übergabe kommt nicht immer wieder zu dir zurück. Und die Rollen, die du behältst, kannst du mit voller Aufmerksamkeit ausfüllen.
QUELLEN
- IfM Bonn (Institut für Mittelstandsforschung), Schätzung der Unternehmensübertragungen in Deutschland 2026 bis 2030

Thomas Peters
Sparringspartner für Unternehmer, an denen noch alles hängt. 15 Jahre Führung bei ALDI SÜD, 51 Standorte, rund 1.000 Menschen. Gründer 8mastery.
Wenn du beim Lesen an einer Stelle hängen geblieben bist, erzähl mir in dreißig Minuten, was gerade auf deinem Tisch liegt.
Kennenlernen, 30 Minuten, kostenlos. Am Ende steht ein nächster Schritt mit Datum, oder ich sage dir, dass ich nicht der Richtige dafür bin.
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